Bildung auf der Couch

Mi, 01. September 2004
Quelle: Freundin job@business

Der Stoff kommt nach Hause, und man büffelt, wann und wo man will. Fernkurse sind aber nicht nur praktisch, sie eröffnen auch jede Menge Jobperspektiven. Wir sagen, worauf Sie achten sollten.

Fünf Jahre lang hat Britta Westen eine Führungsaufgabe in einem Kinderhort. Sie war verantwortlich für Konzeption, Finanzen und Teamleitung. In ihrem Studium der Sozialpädagogik waren diese Themen nur gestreift worden. "Da habe ich mich im Job oft durchgewurschtelt", erinnert sie sich. Im Herbst letzten Jahres hatte sie endgültig genug von dieser improvisierten Arbeitsweise: Im Internet suchte die 30-Jährige nach einer passenden Weiterbildung – und stieß auf den Fernlehrgang "Sozial-Managemement" des Berliner Forums Berufsbildung. Seit Oktober büffelt sie nun neben dem Job. 19 Monate dauert der Kurs. Als Anfang des Jahres ihr Arbeitsvertrag auslief, machte Britta Westen sich selbstständig und berät zur Zeit einen Verein bei der Einrichtung einer Kindertagesstätte. "Dabei hilft mir der Fernkurs enorm", freut sie sich. "Deshalb macht das Lernen auch richtig Spaß."

Geprüfte Qualität: Die Kurse werden staatlich kontrolliert

Ob zur Jobsuche, zum Weiterkommen oder zur beruflichen Neuorientierung – immer mehr Menschen setzen auf Fernlehrgänge. Größter Vorteil: Man lernt, wann und wo man will. Der Stoff ist in Studienbriefen aufbereitet, Hausaufgaben werden gemailt und kommen korrigiert zurück. Für Fragen gibt es Tutoren, zur Vertiefung bisweilen Seminare. Meist wird eine umfangreiche Aufgabe pro Monat erarbeitet, die mit klassischen Schulnoten bewertet wird. Bei manchen Lehrgängen helfen außerdem Probeklausuren den Wissensbestand zu kontrollieren.

Als einziger Weiterbildungsbereich ist Fernunterricht staatlich kontrolliert – das schützt vor unseriösen Anbietern. Qualität und Organisation der Kurse werden von der staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) überprüft und müssen die im Fernunterrichtsschutzgesetz beschriebenen Standards erfüllen (weitere Infos: www.zfu.de). Dazu gehört es, den Lernerfolg zu überwachen, Hilfestellung zu geben und die eingeschickten Aufgaben innerhalb angemessener Zeit zu korrigieren. Unbedingt drauf achten: Die Zulassungsnummer des Fernlehrgangs muss in den Broschüren genannt werden. Ausgenommen sind nur Kurse für Freizeitgestaltung und Unterhaltung. Vorsicht: Unter den Weiterbildungsinstituten finden sich schwarze Schafe mit schlechtem inhaltlichen Angebot. Sie nutzen Gesetzeslücken aus und brauchen deshalb keine Zulassung. Es gilt: Nur, wo "ZFU" draufsteht, ist auch ein geprüfter Lehrgang drin.

Jährlich belegen rund 150 000 Fernschüler einen von über 1900 Kursen bei einem der knapp 300 Anbieter. Nahezu jedes Bildungsziel ist erreichbar, egal, ob Kosmetikerin, Bilanzbuchhalterin, Chemietechnikerin, oder Diplomkauffrau. Man kann Sprach- oder Computerkenntnisse erweitern, sich auf Prüfungen der Industrie- und Handelskammer (IHK) vorbereiten oder Schulabschlüsse wie das Abitur machen. Die meisten Fernschüler bilden sich in "Wirtschaft und kaufmännischer Praxis" weiter, darunter mehr Frauen als Männer. Coaching und Psychologie sind stark gefragt. "Viele Frauen nutzen den Erziehungsurlaub, um sich neue Qualifikationen anzueignen, damit der Wiedereinstieg besser klappt", sagt Ingo Karsten, Direktor des Hamburger Instituts für Lernsysteme (ILS).

Studienhefte, Internet-Foren, Seminare – die Mischung macht´s

Trotz Internet und E-Learning basieren die Fernkurse weiter auf Studienheften. In der Regel muss eins pro Monat durchgearbeitet werden. "Keiner hat Lust, 60 Seiten am Bildschirm zu lesen", sagt Martin Hendrik Kurz, Präsident des Forums DistancE-Learning. Allerdings ergänzen häufig Übungen im Internet die Hefte. Bei einigen Kursanbietern gibt´s zusätzlich Internet-Foren und Chat-Räume. Nach dem Medienmix des jeweiligen Kurses sollte man sich vorher genauso erkundigen wie danach, ob Seminare im Preis enthalten sind. Bei einigen Anbietern ist auch ein Probestudium drin. Ein Lehrgang kostet zwischen 90 und 130 Euro pro Monat. In bestimmten Fällen übernimmt die Agentur für Arbeit die Kosten, auch viele Unternehmen unterstützen ihre Mitarbeiter.

Wer einen Fernkurs sucht, sollte sich zuerst über sein Ziel klar werden. Möchte ich einen Fachaspekt vertiefen? In einen neuen Bereich einsteigen? Oder peile ich gar einen ganz anderen Job an? Davon hängt die Wahl des Abschlusses ab. Er reicht von der einfachen Teilnahmebestätigung über ein über ein institutsinternes Zertifikat bis zu staatlichen oder öffentlich-rechtlich anerkannten Abschlüssen wie bei der IHK oder dem EU-Computerführerschein. Will man nur Fachwissen vertiefen, reicht oft eine Teilnahmebestätigung. Für die Jobsuche oder den Aufstieg ist ein offizieller Abschluss besser.

Bonus beim Bewerben: Fernschüler haben Disziplin bewiesen

Auf jeden Fall brauchen Fernlernende eine gehörige Portion Selbstdisziplin. Es ist nicht immer leicht, sich neben Job und Familie die Zeit und Energie zum Lernen zu nehmen. Hier gibt´s nur individuelle Lösungen. Die einen pauken lieber abends, die anderen am Wochenende. Die Abbruchquoten sind unterschiedlich. "Je konkreter das Thema, je kürzer der Kurs, desto weniger geben auf", weiß Fachverbands-Präsident Kurz. "Mancher Fernschüler macht sogar schon während des Kurses einen Karrieresprung", hat ILS-Chef Ingo Karsten erfahren. Aber auch ohne Sofortaufstieg: Wer einen Fernkurs erfolgreich absolviert, beweist Selbstdisziplin, Durchhaltevermögen und Organisationsfähigkeit. Das gibt auf jeden Fall Punkte beim nächsten Bewerbungsgespräch.

Interview: In London gelernt

Heike Ejoh, 35, hat den Lehrgang Journalistik mit "sehr gut" abgeschlossen. Sie wurde zur "Fernlernerin des Jahres" gekürt

job@business: Wie kamen Sie auf die Idee, einen Fernkurs zu belegen?
Heike Ejoh: Ich wollte immer Journalistin werden, habe Kommunikationswissenschaft studiert. Neben dem Studium jobbte ich als Redaktionsassistentin bei einer Nachrichtenagentur. Aber nach dem Abschluss kam ich nicht weiter. Eine Kollegin erzählte mir dann vom Fernkurs "Journalistik".
job@business: Wie umfassend war der Lehrgang?
Ejoh: Ich musste 14 Studienhefte durcharbeiten, dabei z.B. Reportagen, Nachrichten und Glossen verfassen. Die habe ich per E-mail eingeschickt und dann eine Bewertung mit konstruktiver Kritik erhalten. Das Gute war die Ortsunabhängigkeit. So konnte ich den Kurs weitermachen, als ich ins Londoner Büro der Agentur wechselte.
job@business: Wann haben Sie gelernt?
Ejoh: In Deutschland hatte ich Schichtdienst und oft vormittags frei. In London blieb bei einem 40-Stunden-Job nur das Wochenende zum Lernen.
job@business: Wie haben Sie sich denn motiviert?
Ejoh: Ich hatte eine tiefe Sehnsucht, das journalistische Handwerkszeug zu lernen. Das gute Feedback des Betreuers hat mich darin bestärkt.
job@business: Und – haben Sie jetzt Ihren Traumjob?
Ejoh: Nein, ich suche noch danach. Aber durch das Fernstudium weiß ich, dass ich gut schreiben kann. Und ich habe jetzt den Mut, mich als Journalistin zu bewerben.



ILS-Pressestelle c/o Laub & Partner GmbH · Melanie Thieme
Tel.: 040 / 656 972-13 · Fax: -50 · E-Mail: melanie.thieme@laub-pr.com

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