Claudia Stränsch ist glücklich. Seit wenigen Monaten darf sich die Sachbearbeiterin offiziell "geprüfte Office-Managerin" nennen. Den Abschluss hat die gelernte Grafikdesignerin und Mutter einer Tochter neben Job und Familienleben gemacht – via Fernlehrgang bei Deutschlands größter Fernschule ILS. "Wenn man das Diplom in der Hand hält, ist man schon stolz, dass man sich das gesamte Fachwissen selbst erarbeitet hat", sagt Stränsch. Doch einfach war es nicht immer, zumal die Tochter zu Beginn der Fernlehrphase erst anderthalb Jahre alt war. "Aber lernen konnte ich ja auch, wenn die Kleine im Bett war", sagt die Teamassistentin. Chefsekretärin Carmen Goss hingegen kann sich ihre Zeit beim Lernen frei einteilen, die 40-Jährige hat keine Kinder. Dennoch hat auch sie sich für eine Weiterbildung via Fernlehrgang entschieden: "Ich hatte das Gefühl, beruflich auf der Stelle zu treten", erklärt Goss, die gerade den Lehrgang zur "Geprüften Managementassistentin" absolviert. Die einstündige Zugfahrt von und zu ihrem Arbeitsplatz nutzt sie mittlerweile, um ihr Lernpensum zu pauken.
Fernlernen kommt in der Firma gut an
Es ist vor allem die zeitliche und räumliche Unabhängigkeit, die Berufstätige an dieser Form der berufsbegleitenden Weiterbildung reizt. […]
Dabei motiviert die Absolventen nicht nur die eigene Kompetenzerweiterung. Die private Weiterbildung via Fernlehrgang kommt auch bei Personalverantwortlichen gut an. Das bestätigt zumindest eine Forsa Umfrage im Auftrag des ILS unter 300 Personalern: Wer erfolgreich einen Fernlehrgang absolviert hat, gilt bei 97 Prozent der befragten Personalverantwortlichen als hoch motiviert und selbstständig (92 Prozent). Diese Erfahrung hat auch Fernlernerin Carmen Goss gemacht: "Es zeuge von Willenskraft und Engagement, dass ich mich für eine solche Form der Weiterbildung entschieden habe," sagte ihr kürzlich ein Personalverantwortlicher.
Auf der Suche nach dem richtigen Anbieter
Doch wer sich für einen Fernlehrgang interessiert, muss vorab viel Zeit in die Recherche stecken. Rund 360 verschiedene Fernlehrinstitute gibt es derzeit auf dem deutschen Markt, alle zusammen bieten mehr als 2 200 verschiedene Fernlehrgänge an. […] Carmen Goss recherchierte zunächst im Internet nach dem richtigen Anbieter. "Ich fragte in verschiedenen Foren Absolventen und Fernlerner, welche Erfahrungen sie mit welchem Anbieter gemacht hatten", berichtet die Assistentin. Daraufhin ließ sie sich von dem entsprechenden Anbieter detailliertes Informationsmaterial über bestimmte Fernlehrgänge zukommen. Vergleichen sollte man vor allem Fernkurse mit gleichem Ziel und Inhalt im Hinblick auf die Gestaltung der Lehrbriefe, ergänzende Medien, Präsenzunterrichtsangebote und Kosten. […]
Wer sicher gehen will, kann sich bei einigen Anbietern vorab eine Probelektion zukommen lassen. Und es gibt auch die Möglichkeit, vom Vertrag zurückzutreten: "Im Fernunterrichtsschutzgesetz ist ein 14-tägiges Rücktrittsrecht nach Zustellung der ersten Studienmaterialien verankert", sagt Dr. Martin H. Kurz, Präsident der Fachverbandes Forum DistancE-Learning. "Im Anschluss daran muss ein Vertrag spätestens nach den ersten sechs Monaten kündbar sein, danach alle drei Monate."
Selbstdisziplin nicht unterschätzen
Viele Fernlehrgänge bestehen auch heute noch aus den klassischen Lehrbriefen, die per Post verschickt werden. Zunehmend wird das Angebot beispielsweise durch E-Learnings, CD-ROMs oder Internet-Lektionen ergänzt. Die Teilnehmer erhalten die Lerninhalte in regelmäßigen Abständen, arbeiten diese selbstständig durch, erledigen die Hausaufgaben und schicken das Material an das Fernlehrinstitut zurück. Dort werden die Antworten korrigiert, kommentiert oder bewertet und an den Fernlernenden zurückgeschickt.
Lehrende und Lernende sind räumlich voneinander getrennt, bekommen sich wenig oder gar nicht zu Gesicht. Es gibt keinen richtigen Klassenverband und die Möglichkeiten zum Nachfragen sind eingeschränkt, denn die Antworten vom Kursbetreuer kommen zeitverzögert. Eine nicht gerade förderliche Situation, wenn sich bei den Lernenden einmal ein Motivationstief einstellen sollte, beispielsweise, wenn der Beruf einen gerade mental voll und ganz fordert – oder wenn eine Lektion mit einem nicht so interessanten Thema vor einem liegt. "Natürlich ist nicht jedes Heft gleich spannend", bestätigt auch Claudia Stränsch. In solchen Motivationstiefs sei man auf gute Freunde, die eigene Familie oder Mitstudierende angewiesen. "Das eigene Maß an Disziplin und Durchhaltevermögen, das man in dieser Situation aufbringen muss, darf man natürlich nicht unterschätzen", sagt Stränsch. Denn schließlich bedeutet das Lernen von zu Hause eben nicht nur zeitliche Flexibilität, sondern auch Verzicht. Für Freunde, Familie oder Hobbys bleibt in den Lernphasen weniger Zeit.
Und: "Man muss auch erst einmal in das Lernen an sich wieder reinkommen", sagt Carmen Goss. Aber irgendwann laufe es wieder, und dann erweitere sich der eigene Horizont ganz ungemein: "Man kommt sogar auf ganz neue berufliche Ideen."
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Hier gibt es finanzielle Unterstützung
Letztlich ist die Entscheidung für eine Weiterbildung – unabhängig davon, ob sie vom Arbeitgeber gefördert oder aus der eigenen Tasche bezahlt wird – eine Frage der Kosten. "90 Prozent aller Fernlernenden finanzieren die Weiterbildung selbst", sagt Michael Vennemann von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht. Und trotzdem: Eine Finanzierung über den Arbeitgeber ist nicht unmöglich, findet ILS-Geschäftsführer Ingo Karsten: "Wir beobachten, dass immer mehr Arbeitgeber bereit sind, ihre Mitarbeiter finanziell zu unterstützen, wenn diese sich aus freien Stücken privat fortbilden." In größeren Unternehmen weiß der Betriebsrat, ob es Zuschüsse für diese Form der Weiterbildung gibt; in kleineren muss der Chef persönlich davon überzeugt werden. Für die Präsenzphasen kann unter Umständen Bildungsurlaub beantragt werden. Wer nicht vom Arbeitgeber unterstützt wird, kann sich einen Teil der Ausgaben beispielsweise über die Steuererklärung wieder hereinholen. […]
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