Bill und Tom Kaulitz haben es geschafft. Nein, kein neues Album, kein neuer Platinstatus ist gemeint. Die Tokio Hotel-Zwillinge haben ihren Realschulabschluss in der Tasche. Wie sie das gemacht haben, zwischen Autogrammstunden und Tournee-Stress? Per Fernunterricht haben die Brüder die virtuelle Schulbank gedrückt.
Wie Bill und Tom machen es viele: Allein am Hamburger Institut für Lernsysteme (ILS) sind derzeit etwa 700 Schüler aus 24 Ländern eingeschrieben. Selbst dort, wo keine Deutsche Schule in der Nähe ist, kann so per Fernlehrgang der reguläre Schulstoff absolviert werden. Ganz egal, ob die Schüler in Chile zu Hause sind oder in Burkina Faso.
Deutscher Lehrplan gilt für alle
Seit 1980 werden Schüler rund um den Globus vom ILS betreut. Im Auftrag des Auswärtigen Amtes bekommen die angemeldeten Schüler genau den Schulstoff geschickt, den auch die "normalen" Schüler in Deutschland bewältigen müssen. Egal ob Mathe, Erdkunde, Biologie oder Latein, der deutsche Lehrplan gilt auch für die Fernschüler. "Das erleichtert den Schülern dann natürlich auch den Wiedereinstieg ins deutsche Schulsystem", betont Inge Döll-Krämer, die Leiterin des ILS-Fernlehrwerks. Über die korrekten Lerninhalte wacht die Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) in Köln. Die ZFU akkreditiert neue Fernschulen und kontrolliert bereits zertifizierte Schulen, wie [...], oder eben das ILS in Hamburg.
Material kommt per Post
Zweimal pro Jahr bekommen die Schüler ein Lernpaket per Post zugeschickt. Darin findet sich nicht nur das entsprechende Fernlehrwerk, sondern auch andere Materialien – vom Atlas bis zum Voltmeter mit Digitalmesswerk. Und wer früher als geplant mit dem Stoff fertig ist, bekommt das Unterrichtsmaterial für das folgende Schulhalbjahr auf Anfrage auch früher zugeschickt.
Zwar können die Schüler sich nicht auf dem Pausenhof treffen und Fußball spielen, aber es gibt einen virtuellen Ort, an dem sie sich austauschen können: der "Fernlehrwerk-Campus" ist eine Internetplattform, auf der die Schüler die Möglichkeit haben, sich online zu treffen oder zusammen an der Schülerzeitung "pupils news" zu arbeiten.
Individuelle Betreuung
15 Lehrer arbeiten am ILS in Hamburg und betreuen die Fernlerner individuell: " Die Aufteilung der Schüler richtet sich zum einen nach dem Alphabet und zum anderen auch danach, ob es sich um Voll- oder Einzelfachunterricht handelt", erklärt ILS-Pressesprecherin Dörte Giebel. Da die Schüler nicht in einem normalen Klassenverband unterrichtet werden können, ergibt sich automatisch eine Eins-zu-eins-Betreuung. Bei Fragen können Schüler und Eltern eine Mail an das Schulbüro schicken und bekommen dann direkt vom zuständigen Lehrer eine Antwort. Zudem gibt es regelmäßige Sprechstundentermine auf dem Fernlehrwerk-Campus. "Aber eigentlich ist bei uns ja sowieso ständig Elternsprechtag – da sind wir wirklich individueller ausgerichtet als normale Schulen", ergänzt Döll-Krämer.
Insbesondere deutsche Entwicklungshelfer oder Mitarbeiter internationaler Konzerne, die ihre Kinder nicht auf eine Deutsche Schule schicken können, melden ihre Kinder zum Fernunterricht an. "Die Eltern lassen ihre Kinder weiterhin nach deutschen Lehrplänen unterrichten, um ihnen nach der Rückkehr die Wiedereingliederung in das deutsche Schulsystem zu ermöglichen", so Giebel.
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Ob Popstar oder Pianist – der Vorteil liegt auf der Hand: Egal wo die Schüler leben und wie lange sie keine "normale" Schule besuchen können, der Fernunterricht ermöglicht ihnen einen anerkannten Schulabschluss – und nicht nur Teeniestars einen erfolgreichen Start ins Berufsleben.
ILS-Pressestelle c/o Laub & Partner GmbH · Melanie Thieme
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