Lernen aus der Ferne

Fr, 12. Oktober 2007
Quelle: TV Hören und Sehen

Die große Chance für jeden

Nichts verrät mehr über den Optimismus eines Landes als die Neugier seiner Bürger. Doch wie hat sich der Appetit auf Bildung bei uns verändert? Im Interview mit dem Fernlern-Experten Ingo Karsten erhielten wir eine Reihe verblüffender Antworten.

Herr Karsten, haben die Deutschen keine Lust auf Bildung?
Wegen der schlechten PISA-Ergebnisse? Da haben Sie ein falsches Bild im Kopf. Die Zahl der Erwachsenen, die sich freiwillig weiterbilden, ist bei uns in den vergangenen Jahren stark angestiegen.

Konkreter, bitte!
Beispiel Fernlernen: Vor wenigen Jahren gab es in Deutschland rund 100 000 Fernstudenten. Heute sind es deutlich mehr als 300 000! Es gibt kaum einen Markt, bei dem die Nachfrage so rasant gewachsen ist. Mit anderen Worten: Die Deutschen sind so hungrig auf Bildung, wie lange nicht mehr.

Sie sprechen von Menschen, die nach Feierabend ihren Realschulabschluss nachholen wollen?
Falsch. Die Kundschaft im Bereich der Erwachsenenbildung hat sich in den vergangenen Jahren extrem verändert. Wir haben es heute mit zukunftsorientierten, selbstbewussten Menschen zu tun. Sie lernen nicht aus Langeweile oder Angst, sondern weil sie beruflichen Erfolg wollen.

Ihre Kunden suchen also das schnelle Zusatz-Zertifikat, um schneller Karriere zu machen?
Wir beobachten in den vergangenen Jahren eher das Gegenteil. Das Zertifikat, das Abschlusszeugnis, verliert immer mehr an Bedeutung. Das tatsächliche Wissen und Können wird dagegen immer wichtiger.

Nennen Sie uns ein Beispiel?
Bei unseren Sprachkursen – etwa Business-Englisch – bleiben fast 90 Prozent der Studenten bis zum Ende eines Lehrgangs aktiv dabei. Aber nur die Hälfte macht wirklich die Prüfung. Den anderen genügt es, dass sie im konkreten Berufsalltag besser werden – und damit erfolgreicher.

Sie leiten das Fernlerninstitut ILS. Warum entscheidet man sich überhaupt fürs Fernlernen?
Aus drei Gründen: Man kann lernen, wann und wo man möchte – das ist besonders für Berufstätige wichtig. Man ist in seinem Lerntempo nicht von anderen Kursteilnehmern abhängig...

...und drittens?
Kann man seine Fortbildung viel besser vor anderen geheim halten.

Wie bitte? Was gibt es da zu verheimlichen?
Viele Kunden nutzen die Kurse als Sprungbrett für einen Jobwechsel. Der Chef soll also nichts davon erfahren. Andere haben Angst, sich zu blamieren, wenn sie den Abschluss nicht schaffen. Viele lernen heimlich.

Mit welchen Folgen?
Dass Weiterbildung boomt, wird öffentlich kaum wahrgenommen.

Reagieren Arbeitgeber nicht irritiert, wenn ein Bewerber sich per Fernlernen weitergebildet hat?
Nein. Neue Umfragen ergeben, dass man Fernlernern besonders hohe Zielstrebigkeit, Selbstorganisation und Motivation zuschreibt.

Was sind die Jobs der Zukunft?
Ich sehe derzeit vier große Trends: Immer mehr Menschen wollen ihr Wirtschaftswissen und ihre Sprachkenntnisse verbessern – beides Folgen der Globalisierung. Wir registrieren ein starkes Interesse am Thema Psychologie – häufig von Managern, die als Führungskraft besser werden wollen.

Und der vierte Trend?
Die größten Zuwächse für die Zukunft sehen wir in technischen Kursen. Ingenieure und Techniker sind Mangelware. Wer hier Zeit in die richtige Fortbildung investiert, braucht sich um seine berufliche Zukunft keine Sorgen mehr zu machen.



ILS-Pressestelle c/o Laub & Partner GmbH · Melanie Thieme
Tel.: 040 / 656 972-13 · Fax: -50 · E-Mail: melanie.thieme@laub-pr.com

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