Der Pirnaer Mathias Graf arbeitet als freischaffender Karikaturist und Comic-Zeichner
Mathias Graf hat sich beruflich neu erfunden. Der Bruder von Andreas Graf, dem Inhaber des gleichnamigen Möbelhauses in Pirna, hat seine gesicherte bürgerliche Existenz an den Nagel gehängt und arbeitet seit diesem Jahr als Comic-Zeichner und Karikaturist. "Es war `93 oder `94, als ich diesen Drang in mir verspürte. Ich kaufte mir eine Leinwand, Ölfarbe und fing an zu malen", erinnert sich der heute 42-Jährige über seine Anfänge als Künstler.
Damals blieb seine Leidenschaft ein Hobby. Der Vater von zwei Töchtern machte eine kaufmännische Lehre und folgte 1999 seinem Bruder nach Nürnberg an die Elbe, wo er bis zum Frühjahr vergangenen Jahres im Möbelhaus die Abteilung Küchen leitete. Anfangs machte ihm die Arbeit noch Spaß, vor allem dann, wenn er selbst die Küchen projektierte und die Wünsche der Kunden zeichnerisch mit Stiften auf Papier brachte. Doch diesen Part übernahmen bald die modernen PCs, und Mathias Graf war der Kreativität seines Jobs beraubt. Die Arbeitsbelastung nahm durch die Lockerung des Ladenschlusses mit längeren Öffnungszeiten immer mehr zu. Für das Malen blieb keine Zeit. Er fühlte sich ausgelaugt und ausgebrannt; er wurde krank. "Ich wollte nicht mehr den Rest meines Lebens machen, was mir nicht gefällt", beschloss er und besann sich auf sein wahres Interesse: das Zeichnen.
Bei der Fernschule ILS entdeckte Graf das Fernstudium "Karikatur- und Comic-Zeichnen", das er sofort begann. Jeden Monat kam ein Lehrbuch ins Haus [...]. Er lernte im Selbststudium, beim Malen auf Mimik und Gestik zu achten. Körperbewegungen und Gesichtsausdrücke sind besonders für Karikaturen wichtig. In ihrer Überzeichnung und übertriebenen Darstellung wird der Witz zum Ausdruck gebracht. Zum Studium gehörte auch die Auseinandersetzung mit Humor und der Frage, was witzig ist. Außerdem vertieft man das klassische Handwerk wie beispielsweise Porträtzeichnen, erklärt Graf, der in der Schiffertorvorstadt lebt und auch arbeitet.
Bei der Verwirklichung seiner neuen Berufung wird der Familienmensch Graf tatkräftig von seiner Frau und von den beiden Töchtern unterstützt. "Die Zwölfjährige findet es cool, die Zweijährige sagt immer, Papa malt aus", berichtet Graf, der gerade an der Vollendung seines ersten Comics sitzt. Bis zum Ende des Monats muss er damit fertig sein. Denn er will mit dieser Arbeit an dem Comic-Wettbewerb "Fumetto" teilnehmen.
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