Weiterbildung aus der Ferne

Do, 24. September 2009
Quelle: Personalmagazin

TREND. Weiterbildung ist immer wichtig. Aber nicht immer muss es ein Präsenzseminar sein. Fernunterricht ist eine Alternative, die derzeit regelrecht boomt.

Drohende Firmenpleiten, Kurzarbeit, Entlassung von Mitarbeitern - seit der Wirtschaftskrise ist das Weiterbildungsbudget vieler Unternehmen enorm geschrumpft oder bis auf Weiteres eingefroren. Doch während viele renommierte Anbieter von Präsenztrainings über leere Auftragsbücher klagen, freuen sich Akademien für Fernstudien, Fernuniversitäten und Fernschulen über steigende Anmeldungszahlen. "Als die Krise Deutschland erreicht hat, begann der Boom in unserer Branche", stellt Dr. Martin Kurz, Präsident des Branchenverbands Forum DistancE-Learnings, fest: "Im Herbst vergangenen Jahres hatten Fernlehranbieter ein Auftragsplus von 20 Prozent." Inzwischen gäbe es zwar wieder weniger Anmeldungen, man liege aber immer noch über fünf Prozent im Plus gegenüber den Zahlen aus dem Vorjahr, weiß Kurz.

Der Hauptgrund für die gestiegene Nachfrage sei die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, wohingegen vor der Krise die Fernlerner eher von ihrem Aufstiegswillen und dem Streben nach beruflicher Veränderung getrieben wurden: "Mitarbeiter wollen gerade jetzt ihre Beschäftigungsfähigkeit steigern und bei ihren Unternehmen damit punkten, dass sie in Eigenregie eine Weiterbildung durchführen", sagt Markus Jung, Geschäftsführer des Infomationsportals [...]fernstudium-infos.de. "Steht ihnen eine betriebsbedingte Kündigung bevor oder sind sie gerade arbeitslos geworden, dann können sie schneller Fuß fassen, wenn sie sich nebenberuflich weitergebildet haben."

Fernlernen in Krisenzeiten

[…]

Weitere Vorteile des Fernlernens für die Unternehmen liegen auf der Hand: Durch nur geringe oder gar keine Präsenzseminare, den Wegfall von Anfahrtswegen und die freie Zeiteinteilung werden bei Fernunterricht Arbeitszeitausfälle und Zusatzkosten minimiert. "Das wissen viele Personalverantwortliche besonders zu schätzen", sagt Rainer Paetsch von ILS Professional, der dieses Jahr die Forsa-Studie "Weiterbildung & Fernstudium aus Arbeitgeberperspektive" unter 300 Personalverantwortlichen deutscher Unternehmen durchführen ließ. Personalern seien außerdem die durch die Fernkurse entstehenden Synergieeffekte wichtig: "Dass durch die Parallelität von Fernstudium und Beruf Wissen schneller angeeignet und der beruflichen Praxis gleich eingesetzt werden kann, begrüßen sechs von zehn Personalchefs", sagt Paetsch.

Unternehmen unterstützen selten

Doch trotz der vielen Vorteile für die Unternehmen, werden die Fernkurse momentan hauptsächlich von Privatpersonen und nur zu etwa fünf bis zehn Prozent von Firmen gebucht: "Das Privatkundengeschäft läuft momentan gut. Viele Firmen beteiligen sich zwar an den Fernunterrichtskosten ihrer Mitarbeiter beziehungsweise stellen sie für Prüfungsvorbereitungen bezahlt frei, halten sich in der Krise aber sehr zurück, wenn es um neue Projekte und Kooperationen im Bereich Fernlernen geht, da ihnen jetzt das Geld fehlt", sagt Paetsch. Dabei hat die Bundesregierung mit dem Konjunkturpaket II für die Unternehmen durchaus Anreize geschaffen, in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter zu investieren - so übernimmt die Agentur für Arbeit zum Beispiel für Kurzarbeiter, die an der Weiterbildung teilnehmen, die Beiträge der Sozialversicherung. "Sind die Lehrgänge von Europäischen Sozialfonds gefördert, übernehmen wir sogar zwischen 25 und 80 Prozent der Lehrgangskosten. Über Bildungsgutscheine finanzieren wir auch Fernkurse zu 100 Prozent, wenn sie durch eine fachkundige Stelle zugelassen sind. Unabhängig davon müssen sie von der Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) anerkannt sein", sagt Kurt Eikemeier von der Bundesagentur für Arbeit.

Geförderte Weiterbildung

Anderseits gibt es auch jede Menge Fernlerner, die gar nicht wollen, dass ihr Unternehmen von ihrer Fernweiterbildung erfährt, berichtet Paetsch: "Aus Beratungsgesprächen wissen wir, dass viele Fernlerner befürchten, ihr Arbeitgeber würde ihnen Steine in den Weg legen aus Sorge, dass die Arbeit im Betrieb durch das Fernstudium zu kurz kommen könnte oder dass sich die Mitarbeiter wegentwickeln könnten." Auch wollen sich viele Fernlerner nicht durch ihre Firmen unter Druck setzen lassen, was das Tempo des Fernstudiums betrifft. "Sind die Unternehmen an der Finanzierung beteiligt, fordern viele regelmäßige Erfolgskontrollen, einige sogar monatlich", erzählt Paetsch.

Herausforderungen

In der Praxis ist nicht jeder Mitarbeiter in der Lage, so eine Fernweiterbildung bis zum Ende durchzuhalten: Man muss sich sehr gut selbst organisieren und motivieren können und viel Eigendisziplin mitbringen", erzählt [...] Marcus Jung.

[…] Lohnt sich also die Investition in Fernunterricht in der Krise? "Weiterbildung lohnt sich immer", sagt Kurt Eikemeier von der Arbeitsagentur. Und Martin Kurz vom Forum DistancE-Learning erklärt: "Wenn die Krise vorbei ist, werden dringend Mitarbeiter mit Fachkenntnissen benötigt. Wir kommen an dem demografischen Bedarf nicht vorbei."



ILS-Pressestelle c/o Laub & Partner GmbH · Melanie Thieme
Tel.: 040 / 656 972-13 · Fax: -50 · E-Mail: melanie.thieme@laub-pr.com

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